Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abschließt, muss sich von Anfang an für eine Laufzeit entscheiden. Diese Entscheidung klingt erstmal technisch – hat aber enorme finanzielle Konsequenzen. Denn die Laufzeit der Berufsunfähigkeitsversicherung bestimmt, wie lange du im Ernstfall abgesichert bist. Und eine zu kurze Laufzeit kann eine Versorgungslücke hinterlassen, die kaum zu schließen ist. Denn hier musst du dann an dein Erspartes was wiederum dazu führt, dass deine Altersvorsorgeplanung dahin ist.
Deswegen ist eigentlich die Frage nach der richtigen Laufzeit deiner BU-Versicherung schnell beantwortet: Deine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter laufen – das liegt aktuell bei 67 Jahren. Warum das so ist, was passiert, wenn die Laufzeit kürzer gewählt wird, und welche Optionen moderne Tarife bieten, erkläre ich dir in diesem Artikel.
Was ist die richtige Laufzeit für eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt in Deutschland aktuell bei 67 Jahren. Ab diesem Zeitpunkt hast du Anspruch auf deine volle gesetzliche Altersrente. Das heisst dann auch, ab diesem Zeitpunkt bist du nicht mehr von deinem Einkommen abhängig.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schützt dich genau für die Zeit zwischen heute und dem Renteneintritt. Also für die Phase, in der du auf dein Arbeitseinkommen angewiesen bist und in der ein Ausfall am stärksten trifft.
Läuft deine BU bis 67, ist diese gesamte Zeitspanne abgedeckt. Wirst du mit 55 berufsunfähig, leistet die Versicherung bis zu deinem 67. Geburtstag – also 12 Jahre lang. Danach übernimmt die Altersrente und sorgt dafür, dass du deine Kosten weiter abdecken kannst.
Der Grundgedanke ist: keine Lücke zwischen BU-Leistungsende und Rentenbeginn.
Was passiert, wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung kürzer läuft – zum Beispiel bis 63 oder 65?
Eine kürzere Laufzeit klingt verlockend, weil der monatliche Beitrag günstiger ist. Aber sie birgt ein ernstes Risiko: nämlich eine finanzielle Lücke bis zum Renteneintritt.
Das Szenario
Stell dir vor, deine BU-Versicherung endet mit 63 – du wirst aber mit 61 berufsunfähig und kannst nicht mehr arbeiten.
Deine BU leistet dann bis du 63 bist. Von 63 bis 67 bekommst du nichts. Ab 67 greift erst deine gesetzliche Altersrente. In den Vorruhestand kannst du sehr wahrscheinlich mit 63 noch nicht gehen.
Ggf. würdest du Erwerbsminderungsrente bekommen, die wird aber nicht viel höher als 1000€-1400€ Netto sein! Weit entfernt von deinem eigentlichen Einkommen.
Du musst dann also an dein Erspartes ran! Und wie oben schon geschrieben ist das ja eigentlich für deine Altersvorsorge gedacht.
Ja, bei anderen Szenarien, zum Beispiel einer Laufzeit bis zum 65. Lebensjahr, können wir heute davon ausgehen, dass du mit 65 in den Vorruhestand gehen kannst. Das bedeutet aber dauerhafte Abzüge bei deiner Rente. Diese liegen bei 0,3% pro Monat den du eher in Rente gehst. Macht als 3,6% pro Jahr. Wer 4 Jahre eher in Rente geht, verzichtet auf 14,4% und wer 2 Jahre eher geht auf 7,2% Rente. Wenig ist das nicht!
Die kürzere Laufzeit spart also monatlich ein paar Euro – kann aber im Ernstfall hunderttausende Euro kosten.
Wir rechnen es weiter unten in ein paar Beispielen mal durch!
Berufsunfähigkeitsversicherung und das steigende Renteneintrittsalter: Die Verlängerungsoption
Es gibt eine politisch relevante Frage, die sich viele beim Abschluss ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung stellen: Was, wenn das Renteneintrittsalter weiter steigt?
Die Diskussion um Rente mit 70 ist in Deutschland aktuell wieder in aller Munde. Wer heute eine Berufsunfähigkeitsversicherung bis 67 abschließt, könnte in einigen Jahren feststellen, dass diese Laufzeit plötzlich nicht mehr bis zum Renteneintritt reicht.
Die Verlängerungsoption bei Rentenanpassung
Viele moderne BU-Tarife bieten deshalb eine spezifische Verlängerungsoption für den Fall, dass das gesetzliche Renteneintrittsalter angehoben wird. Das funktioniert so:
- Wird das gesetzliche Renteneintrittsalter erhöht – zum Beispiel auf 70 – kannst du die Laufzeit deiner BU-Versicherung ohne erneute Gesundheitsprüfung entsprechend verlängern.
- Du musst also keine neuen Gesundheitsfragen beantworten und riskierst keine Ablehnung oder Ausschlussklausel – egal, was sich an deiner Gesundheit in der Zwischenzeit verändert hat.
- Der Beitrag erhöht sich dann entsprechend der verlängerten Laufzeit.
Diese Option ist kein Standard bei allen Versicherern – aber bei vielen guten Tarifen inzwischen enthalten oder zubuchbar. Beim Abschluss lohnt es sich, gezielt darauf zu achten. So sieht das dann in den Bedingungen aus:

Wann kann eine kürzere Laufzeit sinnvoll sein?
Es gibt eigentlich aus meiner Sicht nur 2-3 Situationen, in denen eine kürzere Laufzeit bewusst gewählt werden kann:
- Absicherung bis zum geplanten Pensionsalter bei Beamten mit anderem Versorgungssystem
- Erwartung einer anderen, finanziellen Absicherung die die Lücke dann ersetzt
- Absicherung einer bestimmten Lebensphase mit einem Zweitvertrag BU
Punkt 1 ist klar. Es gibt Beamte und Berufsgruppen, die können oder müssen sich nicht bis 67 versichern. Dann kann bzw. muss die Laufzeit kürzer sein. Zum Beispiel bei Soldaten oder Polizisten.
Punkt 2 trifft eher für wenige Menschen zu. Du weißt sehr genau, dass du z.B. zwischen 63/65 und 67 eine größere Geldleistung erhältst oder legst dir jetzt in jungen Jahren jeden Monat Summe X zur Seite um dann die Lücke der 2-5 Jahre selber mit einem ETF Investment zu schließen. Beispiel dazu kommt weiter unten.
Oder eben Punkt 3: Die gezielte Absicherung einer Lebensphase mit einer Zweivertrags oder Dreivertragsstrategie. Bedeutet: Du hast 2 oder 3 BU Versicherungen abgeschlossen. Vertrag 1 sichert dich dein gesamtes Arbeitsleben ab, also bis zum 67. Lebensjahr.
Vertrag 2 nutzt du, weil du sagst, dass ab 60 oder 63 oder 65 eine gewisse Absicherungshöhe nicht mehr gebraucht wird. Sagen wir mal deine Kinder sind dann „aus dem Haus“ und selbiges ist vielleicht dann auch abgezahlt und somit sinkt deine finanzielle Verantwortung und Belastung enorm. Wenn du also mit dem Zweitvertrag nur diese Themen abgesichert haben willst und weißt, mit z.B. 63 ist das Thema sicher durch, reicht hier die Laufzeit bis 63.
Beitragsbeispiele: Was kostet die Laufzeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung wirklich?
Um den Unterschied greifbar zu machen, schauen wir uns ein konkretes Beispiel an:
Ausgangssituation:
- Projektmanagerin, 30 Jahre alt, nicht rauchend
- 2.000 € monatliche BU-Rente
- 1 % Leistungsdynamik (die BU-Rente steigt im Leistungsfall jährlich an)
- 5 % Beitragsdynamik (der Schutz wächst mit dem Einkommen mit)
- Arbeitsunfähigkeitsklausel (AU-Klausel) inklusive
| Laufzeit | Monatlicher Beitrag |
|---|---|
| Bis 67 (Empfehlung) | 73 € |
| Bis 65 | 62 € |
| Bis 63 | 53 € |
Der monatliche Unterschied zwischen der kürzesten und der längsten Laufzeit beträgt 20 € im Monat. Was dieser Unterschied im Ernstfall bedeutet, zeigt das folgende Rechenbeispiel.
Das Rechenbeispiel: Was die kürzere Laufzeit wirklich kostet
Die scheinbare Ersparnis
Wer statt bis 67 nur bis 63 versichert ist, spart:
- 20 € pro Monat × 12 Monate × 37 Jahre Laufzeit (von 30 bis 67) = 8.880 € gespart
Das klingt nach einer relevanten Summe. Aber jetzt die andere Seite der Rechnung:
Die Versorgungslücke im Ernstfall
Wird unsere Projektmanagerin mit 61 Jahren berufsunfähig und ihre BU läuft nur bis 63, fehlen ihr anschließend 4 Jahre ohne BU-Rente und ohne volle Altersrente:
- 2.000 € × 12 Monate × 4 Jahre = 96.000 € Versorgungslücke
Hinzu kommen die dauerhaften Rentenabzüge, wenn sie mit 63 vorzeitig in Rente geht:
- 0,3 % Abzug pro Monat × 48 Monate = 14,4 % weniger Rente – ein Leben lang
Das Fazit der Rechnung
| Laufzeit bis 63 | Laufzeit bis 67 | |
|---|---|---|
| Monatlicher Beitrag | 53 € | 73 € |
| Ersparnis über gesamte Laufzeit | 8.880 € | – |
| Versorgungslücke im Ernstfall | bis zu 96.000 € | 0 € |
| Dauerhafte Rentenkürzung | bis zu 14,4 % | keine |
Die Ersparnis von 8.880 € über die gesamte Laufzeit steht einer potenziellen Versorgungslücke von 96.000 € gegenüber – plus lebenslange Rentenkürzung. Die 20 € monatlich sind in diesem Licht keine Ausgabe, sondern eine Investition in vollständige Absicherung.
Wenn du jetzt noch sehr jung bist, könnte man noch überlegen, die 20€ die man hier spart, von jetzt an diszipliniert bis in deine 60er zu investieren.
Nehmen wir also wieder
- eine 30jährige Person
- 20€ Investment pro Monat in einen breit gestreuten ETF
- zu 6% Rendite pro Jahr
- über 33 Jahre, bis sie eben 63 Jahre alt ist

Das Ergebnis: 24.121€ Guthaben nach 33 Jahren. Wenn wir jetzt wieder von der Absicherung der 2000€ BU Rente ausgehen, kommt sie mit dem Geld genau 1 Jahr aus. Dann ist es alle! Es reicht also nicht, die Ersparnis einfach bis zum vorgezogenen Ablauf der BU-Versicherung zu investieren. Dazu müsstest du viel mehr Geld pro Monat in die Hand nehmen um die Lücke zu schließen.
Und dann haben wir noch nicht darüber geredet, dass du mit Anfang 60 keine BU Rente von 2000€ abgesichert hast, sondern höher liegen wirst aufgrund deines steigendem Einkommens!
Mathematik kann sehr einfach sein und zeigt dir hier relativ klar und einfach: Eine kürzere Laufzeit lohnt sich nicht und ist auch nicht durch das Investieren abzufangen.
Wichtige Zusatzbausteine beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung
Neben der Laufzeit gibt es weitere Stellschrauben, die den Wert einer BU maßgeblich beeinflussen:
Leistungsdynamik: Die BU-Rente steigt im Leistungsfall jährlich an und gleicht so die Inflation aus. Wer mit 40 berufsunfähig wird und bis 67 Leistungen bezieht, profitiert über fast drei Jahrzehnte von diesem Schutz.
Beitragsdynamik: Der Versicherungsschutz wächst mit dem Einkommen mit – ohne erneute Gesundheitsprüfung. Gerade für junge Menschen, die am Anfang ihrer Karriere stehen, ist das ein wichtiger Baustein.
AU-Klausel (Arbeitsunfähigkeitsklausel): Leistet bereits bei längerer Krankschreibung – auch bevor eine Berufsunfähigkeit offiziell anerkannt wird. Das schließt eine häufig übersehene Lücke in der Absicherung.
Fazit: Die Laufzeit der Berufsunfähigkeitsversicherung ist keine Nebensache
Die Laufzeit deiner Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der wichtigsten Entscheidungen beim Abschluss – und wird trotzdem oft unterschätzt oder aus Kostengründen zu kurz gewählt.
Die klare Empfehlung: Laufzeit bis 67, kombiniert mit einer Verlängerungsoption für den Fall der Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters. So bist du auch für politische Veränderungen gewappnet – ohne im Ernstfall eine Versorgungslücke zu riskieren.
Wie die Rechenbeispiele zeigen, ist der Unterschied im Monatsbeitrag gering. Die Idee, den geringeren Beitrag durch ein Investment abzufangen, aber der falsche Weg.
Wenn du unsicher bist, welche Laufzeit und welche Bausteine für deine Situation sinnvoll sind, schaue ich mir das gerne gemeinsam mit dir an. Melde dich für ein kostenloses Erstgespräch.
FAQ: Laufzeit der Berufsunfähigkeitsversicherung
Die BU sollte bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter laufen – aktuell 67 Jahre. So ist die gesamte Erwerbsphase ohne Lücke abgesichert.
Du hast keine BU-Rente mehr und noch keinen Anspruch auf volle Altersrente. Frühzeitiger Renteneintritt ist möglich, aber mit dauerhaften Abzügen von bis zu 14,4 % verbunden. Diese Lücke muss anderweitig überbrückt werden.
Viele Versicherer bieten die Möglichkeit, die Laufzeit der Berufsunfähigkeitsversicherung ohne neue Gesundheitsprüfung zu verlängern, wenn der Gesetzgeber das Renteneintrittsalter anhebt. So bleibt der Schutz auch bei politischen Veränderungen lückenlos.
Nicht sinnlos, aber mit Risiko verbunden. Wer die entstehende Versorgungslücke kennt und konkret einplant, kann das bewusst wählen. Als Standardempfehlung gilt aber: bis 67.
Am Beispiel einer 30-jährigen Projektmanagerin mit 2.000 € BU-Rente beträgt der Unterschied zwischen Laufzeit bis 63 und bis 67 lediglich 20 € im Monat – bei einer potenziellen Versorgungslücke von bis zu 96.000 € im Ernstfall.
Die Arbeitsunfähigkeitsklausel sorgt dafür, dass die BU bereits bei längerer Krankschreibung leistet – also bevor eine Berufsunfähigkeit offiziell anerkannt wird. Sie schließt eine wichtige Lücke in der Absicherung.
Nein, außer bei einer Verlängerung des gesetzlichen Eintrittsalters kannst du die Laufzeit deiner BU-Versicherung nicht verlängern.
Hier findest du alle Infos: https://marlene-drescher.de/blog/so-laeuft-die-beratung-zur-bu-versicherung-bei-uns-ab/






