Mit unserer Rubrik „Aus der Praxis“ möchte ich dich mit zu echten Fällen nehmen und ein wenig aus der Praxis heraus berichten.

Neulich hatte ich einen Termin mit einer Kundin zur ganzheitlichen Beratung. Die Kundin hatte bisher noch keine Berufsunfähigkeitsversicherung. Leider ist sie auch recht spät dran. Aber lieber spät als nie.

Die Kundin ist Mitte 40 und von Beruf Sozialpädagogin. Aufgrund ihrer Krankenhistorie hat der Abschluss der BU-Versicherung bisher nicht geklappt. Nun ist aber ein guter Zeitpunkt und ich erkläre auch gleich warum.

Natürlich muss man gleich ganz klar sagen, dass eine ordentliche Berufsunfähigkeitsversicherung mit Mitte 40 und einem sozialen Beruf nicht gerade wenig kostet. Aber der Kundin ist die Absicherung super wichtig und sie hat sich selber eine max. monatliche Summe von 150€ gesetzt.

Aufarbeitung Krankenhistorie

Wie schon erwähnt, war in den letzten Jahren einiges los. Zum Glück aber nur in den letzten 5 Jahren und länger aber nicht in den letzten 3 Jahren. Somit sind wir direkt hingegangen und haben nur die Krankenhistorie der letzten 3 Jahre ambulant und der letzten 5 Jahre stationär aufgenommen. Das schränkt natürlich die Anzahl der Versicherer drastisch ein, denn nur 2 Versicherer versichern Menschen mit Mitte 40 mit einem Abfragezeitraum der letzten 3 Jahre. Die Aufarbeitung ging dann recht schnell und wir starteten die anonyme Risikovoranfrage.

BU-Versicherung oder Grundfähigkeitenversicherung?

Nun stellte sich die große Frage „Wie versichern wir die Kundin am besten?“. Als erstes rechneten wir die Berufsunfähigkeitsversicherung durch. Die Kundin wünschte 2000€ BU Rente bis zum 67. Lebensjahr mit einer AU-Klausel und einer Beitragsdynamik. Der Versicherer mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis ruft hier einen monatlichen Beitrag von 109€ auf. ABER dieser Versicherer fragt die letzten 5 Jahre im ambulanten Bereich ab. Der fällt also weg, denn da würde sie den Ausschluss Psyche bekommen und das möchte sie nicht.

Der erste Versicherer, der nur die letzten 3 Jahre im ambulanten Bereich abfragt ist dann die Canada Life für 152€ im Monat. Alle anderen kommen wegen der 5 Jahre nicht in Frage.

Nun klingen die 152€ im Monat richtig viel. Die Kundin ist clever und verdient gut und ist sich über die Wichtigkeit der Absicherung bewusst. Trotzdem habe ich ihr auch die Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung gezeigt, nämlich die Grundfähigkeitenversicherung.

Was eine Grundfähigkeitenversicherung ist und worauf man hier achten muss, habe ich im Blogbeitrag „Grundfähigkeitenversicherung – eine Alternative zur BU“ erklärt.

Die Grundfähigkeitenversicherung einmal durchgerechnet mit 2000€ Rente, auch Laufzeit bis 67 und dem für die Kundin wichtigen Bausteinen Psyche und AU-Klausel würde sie im Monat rund 103€ kosten. Ja, das ist deutlich weniger als die Berufsunfähigkeitsversicherung. Aber ist es auch wirklich eine Alternative für sie?

 

Wie im oben verlinkten Blogbeitrag erklärt, versichern wir bei der Grundfähigkeitenversicherung den Verlust von Fähigkeiten und Fertigkeiten. Was es bedeutet, z.B. die Fähigkeit „Greifen“ zu verlieren, wird klar in den Bedingungen geregelt.

Nun haben wir ja gesagt, der Kundin ist die Absicherung der Psyche sehr wichtig. Verständlich, denn hier hatte sie in den letzten 5-10 Jahren immer wieder Behandlungen und Therapien. Wenn sie jetzt die Möglichkeit hat, möchte sie sich hier jetzt auch uneingeschränkt versichern. Aber kann sie das mit einer Grundfähigkeitsversicherung?

Nein, das kann sie nicht! Nicht so, wie sie bei der BU-Versicherung abgesichert wäre und auch nicht so, wie sich das jeder Mensch da draussen vorstellt, wenn er denn eine Versicherung hat.

Schauen wir uns mal die Definition an, die der Versicherer für 103€ im Monat in den Bedingungen zur Psyche hinterlegt hat:

Die Bedingungen sagen hier ganz klar, dass erst geleistet wird wenn die Psyche so stark eingeschränkt ist, dass man einen Betreuer bestellen muss. Das ist aus meiner Sicht eine so heftige Klausel, die kaum jemand erfüllen wird.

Keiner unserer Kundinnen und Kunden, die wegen der Psyche berufsunfähig sind, würde hier Geld bekommen, denn keiner von ihnen musste einen Betreuer bestellen.

Dazu kommt, dass hier auch nicht mal geleistet wird, wenn man wegen der Psyche so krank ist das man die volle Erwerbsminderungsrente bekommt (die bekommst du wenn du in keinem Beruf mehr zu mind. 3 Stunden arbeiten kannst).

Der Versicherer, hier die Nürnberger Versicherung, kommt im Bereich der Grundfähigkeitenversicherung schon mal nicht in Frage.

Versicherer 2 kostet dann schon fast 140€, hat die Psyche zwar besser gelöst, aber auch nicht so, wie bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

Hier bekommt die Kundin ihre versicherte Rente, wenn sie wegen der Erkrankung der Psyche voll erwerbsunfähig ist. Voll erwerbsunfähig bedeutet, sie kann in KEINEM Beruf (also nicht nur ihrem sondern in überhaupt garkeinem) mehr als 3 Stunden arbeiten.

Zum Vergleich: Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung bekommst du deine BU-Rente, wenn du in deinem Beruf den du vor der Berufsunfähigkeit ausgeübt hast, zu mind. 50% nicht mehr arbeiten kannst. Hier wirst du nicht verwiesen in einen anderen Beruf!

Fazit

Die Grundfähigkeitenversicherung wäre für die Kundin, je nach Tarif, etwas günstiger gewesen aber nicht so leistungsstark wie die Berufsunfähigkeitsversicherung. Da ihr eine richtig gute Absicherung, vor allem der Psyche, wichtig war, hat sie sich für die BU-Versicherung entschieden. Und das ist aus meiner Sicht und der im Beitrag aufgeführten Punkte auch die absolut richtige Entscheidung gewesen.

Wichtig: Kümmere dich so früh wie möglich um deine Berufsunfähigkeitsversicherung, denn mit jedem Jahr mit dem du älter wirst, steigt auch der Beitrag für diese wichtige Absicherung. Naja und die Krankenakte wird oft auch nicht gerade leerer.

Auf der Suche nach der passenden BU-Versicherung?

Profitiere von unserer über 24 jährigen Erfahrung im Bereich BU-Versicherung.