15 Millionen Menschen haben in Deutschland eine Riesterrente. Das ist eine beachtliche Summe. Die Zahl der aktiv förderberechtigten Personen, die tatsächlich Beiträge leisten, liegt aber nur bei 9,8 Millionen.
Kaum ein Vorsorgeprodukt wird so kontrovers diskutiert wie die Riester-Rente. Die einen sagen: „Unbedingt machen, wegen der Förderung!“ Die anderen: „Viel zu kompliziert und lohnt sich nicht.“
Die Wahrheit liegt – wie so oft – dazwischen. Denn: Eine Riester-Rente kann sich lohnen. Aber für die meisten eben leider nicht. Ob sich dein bestehender Riestervertrag lohnt und wie du das schnell herausfindest und was man sonst noch beachten sollte, zeige ich dir in diesem Blogbeitrag.
Was ist die Riester-Rente überhaupt?
Ich machs ganz kurz: Ziel ist es, die gesetzliche Rente zu ergänzen – weil diese allein für viele Menschen später nicht ausreichen wird. Dann kam irgendwann Herr Riester und hatte die tolle Idee die Menschen mit staatlichen Förderungen zu locken, um doch endlich was für die Rente zu tun.
Die Riester-Rente ist also eine staatlich geförderte Form der Altersvorsorge. Das bedeutet: Du zahlst Beiträge in einen Vertrag ein und bekommst dafür Zulagen vom Staat sowie steuerliche Vorteile. Aber der Staat redet auch ein Wörtchen bei der Flexibilität deines Vertrages mit.
Wie hoch ist die Förderung?
Die staatliche Förderung besteht aus zwei Teilen:
Zulagen
- 175 € Grundzulage pro Jahr für Erwachsene
- 300 € pro Kind (für nach 2008 geborene Kinder)
- 185 € für ältere Kinder
Gerade für Familien mit Kindern kann die Förderung sehr attraktiv sein. Dazu komme ich später. Zulage bedeutet: Du zahlst einen Mindestbeitrag ein und bekommst dafür vom Staat die Zulage.
Zusätzlich kannst du deine Beiträge steuerlich geltend machen.
- bis zu 2.100 € pro Jahr
- das Finanzamt prüft automatisch, was besser ist (Zulage oder Steuerersparnis)
Um die volle Förderung zu bekommen, musst du 4% von deinem rentenversicherungspflichtigen Einkommen im Jahr einzahlen. Davon ziehst du dann wieder die Zulagen ab und kommst dann auf deinen notwendigen Beitrag.
So berechnest du es:
Beispiel 1: Single, keine Kinder, 40.000€ Einkommen, 4% = 1600€ abzgl. 175€ Zulage = 1425€ durch 12 Monate = 118,75€. Das müsstest du also jeden Monat einzahlen, um die 175€ Zulage im Jahr zu bekommen.
Beispiel 2: Mutter, 3 Kinder, 30.000€ Einkommen, 4% = 1200€ abzüglich 3x Kinderzulage = 900€ und Zulage für sich selber = 175€, also 1200€ minus 900€ minus 175€ = 125€. 125€ durch 12 Monate = 10,41€.
Und hier sehen wir schon den ersten wichtigen Unterschied.
Die Mutter gibt im Jahr 120€ in den Vertrag und bekommt dafür vom Staat 1075€. Sie hat eine sehr hohe Förderquote und für sie lohnt sich Riester auf jeden Fall. Ich gebe jemanden 120€ und bekomme dafür 1075€, das ist kein schlechter Deal.
Beim Single sieht es schon anders aus. Er gibt im Jahr 1425€ um 175€ Zulage zu erhalten. Da fällt mir kein Grund ein, warum ich das machen sollte.
Welche Riester-Varianten gibt es?
Riestern kannst du mit verschiedenen Vertragsformen. Die wohl bekannteste ist die klassische Rentenversicherung.
Es gibt aber noch weitere Vertragsarten:
- Banksparplan (heute selten)
- Fondssparplan
- Wohn-Riester (für Immobilien)
Auf die Arten gehe ich hier nicht näher ein, wir wollen ja in diesem Blogbeitrag schauen, ob sich dein Riestervertrag lohnt.
Die größten Probleme der Riester-Rente
Die Riester-Rente kommt mit einigen Problemen, die ungern durch die Versicherungsbranche beleuchtet werden. Schließlich verkauft sich das Argument mit der Steuerersparnis und den vielen Zulagen bei vielen Deutschen sehr gut. Tolle Bilder werden gezeigt und aufgehübschte Tabellen von Zahlen die dem Verbraucher suggerieren, dass sich der Vertrag richtig dolle lohnen wird.
Auf die Nachteile wird in den Beratungen kaum eingegangen
Komplexität
→ bei staatlich geförderten Produkten gibt es Vorteile, aber auch Nachteile. Beides sollte in den Beratungen transparent aufgeführt werden, damit sich die Verbraucher ein echtes Gesamtbild machen können. Dazu kommt die Komplexität von Einzahlungshöhe, staatlicher Förderung, Förderberechtigung, Garantien, Kosten, Zulageanträgen und vieles mehr. Die Riester Rente ist kein einfaches Produkt und viele haben von der Riester Rente eine ganz andere Vorstellung.
Kosten
→ der Großteil der Verträge ist unfassbar teuer. Die Kosten fressen die jährlichen Zulagen und oft auch zusätzlich noch einen Teil der eingezahlten Beiträge auf. Viele merken das überhaupt nicht und wundern sich dann erst am Ende, dass sie keinerlei Rendite mit dem Vertrag gemacht haben
Garantien
→ ein Riestervertrag sieht vor, dass du am Ende der Laufzeit deine eingezahlten Beiträge zurückerhalten musst. Diese sind also garantiert. Das hat leider den Effekt, dass der Versicherer deinen Vertrag so gestalten muss, dass er die Garantien auch einhalten kann. Wenn du also eine ETF Riester Rente hast und dir einen breit gestreuten und guten ETF rausgesucht hast, wird dein Geld eben nicht zu 100% in diesen ETF angelegt. Vorallem in den ersten Jahren geht dein Geld in sog. Wertsicherungsfonds. Die machen pro Jahr nur eine sehr geringe Rendite von 1%-2% und das sorgt dafür, dass dein Geld nicht wächst (siehe Kosten). Garantien blockieren deinen Vermögensaufbau und sorgen nur für eine Sache: Du hast am Ende das Geld wieder, was du eingezahlt hast. Viel mehr aber nicht.
Flexibilität
→ Dadurch, dass die Riester Rente ein staatlich gefördertes Produkt ist, gibt der Gesetzgeber auch einige Spielregeln vor. Das Geld, welches du mit 67 in deinem Riestervertrag hast, bekommst du nicht zu 100% ausgezahlt. Du kannst nur über max. 30% sofort verfügen, der Rest wird als lebenslange Rente umgewandelt. Ebenso ist die Vereinbarkeit ziemlich streng geregelt. Vererbt wird nur an Kinder oder Ehepartner und dann auch nur in deren Riestervertrag. Das sind für mich schon 2 negative Punkte, die man kennen sollte.
Wie finde raus, ob sich mein Riestervertrag lohnt?
Jedes Jahr bekommst du im Januar/Februar deinen Auszug zu deinem Riestervertrag für das vorherige Jahr. Jetzt, in 2026, solltest du also den Auszug für 2025 vorliegen haben. Das ist meistens ein dicker Brief mit vielen Infos. Sowas wird ja gerne mal zur Seite gelegt.
In diesen Unterlagen, und das ist der Vorteil vom Riestervertrag, findest du eine Art Kontoauszug, der dir klar zeigt, was du im Vorjahr eingezahlt hast, welche Zulagen du erhalten hast, welche Kosten abgegangen sind usw.! Diese Übersicht gibt dir schon einen ersten Einblick, ob sich dein Vertrag lohnt oder nicht.

Bild Beispiel 1
In diesem Beispiel 1 sehen wir einen Single-Mann ohne Kinder. Er zahlt 50€ im Monat ein (=600€ im Jahr). Die maximale Zulage bekommt er nicht (175€) weil er nicht die 4% von seinem Einkommen einzahlt. Deshalb bekommt er die Zulage nur anteilig, hier 83,32€. Dazu hat er 2025 45€ plus gemacht. Jetzt kommen aber 43€ Abschluss- und Vertriebskosten, ebenso Verwaltungskosten.
Die 45€ Ertrag plus die 83€ Zulage werden also durch 140€ Kosten reduziert. Die Kosten fressen hier Zulage und Erträge auf.

Bild Beispiel 2
Im Beispiel 2 haben wir einen Riestervertrag einer Mutter mit 3 Kindern. Sie zahlt im Jahr 360€ ein und bekommt 3×300€ Zulage für die Kinder plus ihre eigene Zulage von 175€, also 1075€ Zulage. Also wieder eine sehr hohe Förderquote. 2025 hat sie 63€ Erträge erwirtschaftet und nur 7€ Kosten gehabt.
Das besondere an dem Vertrag: Den hat sie mit uns als Nettopolice abgeschlossen. Keine überteuerten Abschluss- und Vertriebskosten oder Verwaltungskosten, so wie im Vertrag im ersten Beispiel. Allein durch die Zulagen, die ja auch eine Art Ertrag sind, wächst ihr Vertrag jedes Jahr beträchtlich.

Bild Beispiel 3
Und Beispiel 3. Auch eine Mutter von 3 Kindern. Sie zahlt 720€ im Jahr ein und bekommt auch die 1075€ Zulage. Sie verdient etwas mehr als im Beispiel eben, die Förderung ist aber trotzdem recht gut. Auch der Vertrag läuft mit über 2000€ Ertrag in 2025 richtig gut. Die Kosten hier sind mit rund 150€ erträglich, auch wenn sie mit einer Nettopolice besser wären.
Wie war die Entwicklung aber seit Beginn?
Nun gibt es noch einen zweiten Trick, wie du sehr schnell rausfinden kannst, ob der Vertrag sich seit Beginn denn wirklich lohnt. Mit den o.g. Unterlagen zum Jahresanfang kommt auch ein Schreiben, welches so aussieht. Es ist die Bescheinigung nach §92 EStG.
Auf dieser Bescheinigung findest du die Auflistung deiner eingezahlten Beiträge, der erhaltenen Zulagen und wenn du weiter runter schaust, manchmal auch auf der Rückseite oder der zweiten Seite, die Zusammenfassung aller bisher eingezahlten Beiträge plus Zulagen und dem aktuellen Stand/Guthaben des Vertrages.

Das ist jetzt die Zusammenfassung vom Beispiel 2, der Mutter mit den 3 Kindern und der Nettopolice. Der Vertrag läuft erst seit 2023. In Summe hat sie seitdem 2150€ Zulagen erhalten und 990€ eingezahlt. Auch hier sehen wir wieder die hohe Förderquote, denn die Zulagen sind höher als die selber eingezahlten Beiträge. Das aktuelle Guthaben im Vertrag beträgt 3236€. Addiert man die Zulagen und die eingezahlten Beiträge, kommen wir auf 3140€. Der Vertrag ist also leicht im Plus. Nimmt man die Zulagen zur Bewertung der “Rendite” hinzu, ist er natürlich deutlich im Plus. Aus 990€ wurden 3236€.
Der Vertrag hier läuft noch nicht sehr lange und wie bereits oben erklärt, geht das Geld hier noch im großen Anteil in die Wertsicherungsfonds.

Das ist jetzt der finale Auszug aus dem Beispiel 3. Dieser Vertrag ist schon älter, abgeschlossen 2007. Seitdem wurden 10.211€ Zulagen gutgeschrieben für 9115€ Beiträge. In Summe macht das rund 20.000€, das Guthaben beträgt aber 26.193€. Aus 10.211€ wurden also 26.193€. Ich denke, dass kann sich sehen lassen. Da der Vertrag schon etwas älter ist, geht nicht mehr alles in die Wertsicherungsfonds sondern auch schon in die gewählten ETFs.

Und hier das Ergebnis aus Beispiel 1. Hier wurden in Summe nur 705€ Zulagen gutgeschrieben für 6656€ Beiträge die eingezahlt worden sind. In Summe wurden in den Vertrag 7360€ eingezahlt (Summe aus Zulagen und Beiträgen) und 6272€ sind drinnen. Das sind, wenn wir die Zulagen mal aussen vor lassen, 400€ weniger als eingezahlt worden sind. Es bleibt hier also dabei, der Vertrag ist aus meiner Sicht nicht lohnenswert für den Kunden.
Fazit
Ob sich ein Riestervertrag lohnt oder nicht, hängt in erster Linie davon ab, wieviel man verdient und ob man Kinder hat. Menschen mit 2 Kindern oder mehr und noch einem relativ niedrigen Einkommen werden tendenziell von einem Riestervertrag profitieren.
Wichtig ist aber trotzdem die Kosten im Blick zu haben. Es gibt hier recht günstiger Anbieter aber auch sehr, sehr teure. Wenn die Kosten so hoch sind, dass sie die Erträge und die Zulagen “auffressen” nützt es dir auch bei einer hohen Kinderzulage nichts.
Schau bitte jedes Jahr in deine Mitteilung und prüfe, ob deine Zulagen richtig gutgeschrieben worden sind. Manchmal ist das auch nicht der Fall. Rede dann mit deinem Ansprechpartner. Prüfe ebenfalls wie hoch die Kosten sind und ob sich der Vertrag bisher gesamt also positiv darstellt.
Die eingezahlten Beiträge (ohne Zulagen) sind zwar immer bei einem Riestervertrag garantiert, aber es hat nichts mit Vermögensaufbau zu tun, wenn du 20, 30 oder 40 Jahre so einen Vertrag besparst und am Ende 0,00% Rendite eingefahren hast. Zieht man dann die Inflationsrate ab, hast du dein Geld verbrannt und der Opportunitätsschaden (das Geld hättest du in der Zeit besser anlegen können) ist noch viel höher.
Wenn du unzufrieden oder unsicher mit deinem Vertrag bist und/oder deine Altersvorsorge auf andere Beine stellen willst, buche dir gerne einen Termin. Wir checken deinen Vertrag und sorgen dafür, dass deine Altersvorsorge auch Sinn macht!
