Wie du die Kosten deiner Rentenversicherung entdeckst

Seit 2008 bieten wir unseren Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, ETF-Rentenversicherungen als Nettopolice abzuschließen.

Wenn du diesen Beitrag jetzt hier liest aber noch nicht weisst, was der Unterschied zwischen einer Bruttopolice und einer Nettopolice ist, dann lies bitte erstmal hier weiter und komm dann wieder zurück.

Die meisten Berater in der Versicherungsbranche arbeiten aber nicht mit Nettopolicen. Die Wahrscheinlichkeit, dass du also eine teure Bruttopolice in deinem Versicherungsordner hast oder vorgeschlagen bekommst, ist sehr hoch.

Solltest du also schon eine Rentenversicherung haben oder kurz davor sein eine abzuschließen, empfehle ich dir dringend, die Kosten zu checken. Ich zeige dir, wie du das am besten machst. Los gehts!

So findest du die Kosten!

Schritt 1:

Wenn der Berater seriös ist und ordentlich arbeitet, sollte dir ein Angebot zur Rentenversicherung vorliegen. Das Angebot hat meist sehr viele Seiten, wir nennen es in unseren Kreisen dann “VVG konform”. Es gibt auch verkürzte Angebote mit sehr wenigen Seiten, dass ist dann aber nicht das richtige, was dir der Berater eigentlich aushändigen muss.

In diesem Angebot findest du, meist weiter unten, das Produktinformationsblatt oder den Bereich “Informationen über den Versicherungsvertrag“. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Achtung: Verwechsle diesen Bereich bitte nicht mit der Aufstellung der Kosten zum hinterlegten ETF. Auch das findest du im Angebot, diesen Bereich benötigen wir aber an der Stelle nicht.

Schritt 2:

Scrolle dann etwas weiter runter bis du zu dem Punkt “Kosten” kommst. Das sieht dann so aus:

Direkt da findest du die Abschluss- und Vertriebskosten. Die Abschlusskosten sind unterschiedlich und abhängig von Laufzeit und monatlichen Beitrag. In dem Beispiel ist der Kunde 25 Jahre alt und zahlt 200 Euro bis zum 67. Lebensjahr. Je mehr du also monatlich zahlst, desto höher werden die Abschlusskosten!

Die Abschlusskosten werden auf die ersten 5 Jahren aufgeteilt und von deinem Sparbeitrag abgezogen. In dem o.g. Fall als die 503,16Euro x 5 Jahre = 2.515Euro. Das ist mal mindestens die Courtage/Provision, die der Berater für die Vermittlung des Vertrages erhält. Wenn dann also in dem Beispiel anstatt 200Euro pro Monat 400Euro gezahlt werden, verdoppelt sich auch die Courtage. Dann reden wir über 5000Euro Provision für eine Altersvorsorgeberatung.

Versteht mich nicht falsch! Jeder soll für sehr gute und seriöse Arbeit Geld verdienen. Hinter eine Beratung steckt eine Menge Arbeit und Zeit. Es wäre komplett falsch hier zu verlangen, dass die Berater z.B. nur 300Euro für eine umfassende Altersvorsorgeberatung bekommen sollen. Ich bin aber der Meinung, die Höhe der Courtage oder Provision sollte man nicht am Sparbeitrag ausmachen. Denn der Aufwand für die Beratung ist ja nicht höher, nur weil jemand 200Euro anstatt 400Euro im Monat zahlt. Hier müssen Veränderungen seitens der Regierung her. Aber da wir ja sowieso nicht mit Bruttopolicen arbeiten, ist das nicht weiter relevant. Wir kommen weiter unten nochmal zu dem Thema.

Wenn hier also monatlich 200 Euro eingezahlt werden, verringert sich der Sparbeitrag jeden Monat um 41,93Euro. Bleiben also noch rund 158Euro für den “Sparstrumpf” übrig. Oder auch nicht.

Denn als nächstes kommen die Vertriebskosten. Auch die werden jährlich berechnet, aber während der ganzen Laufzeit. Im o.g. Beispiel sind das 48Euro pro Jahr. Das minimiert also deinen Sparbeitrag um weitere 4 Euro. Jetzt sind wir also bei 154Euro, die von den eigentlichen 200Euro Sparbeitrag wirklich in den ETF gehen. Oder auch nicht..

Denn als nächstes beleuchten wir die Verwaltungskosten. Die kommen in den ersten 5 Jahren zu den Abschluss- und Vertriebskosten noch dazu. Die kannst du wie eine Art Kontoführungsgebühr sehen.

Schauen wir uns diesen Bereich am Beispiel des Versicherers mal an. Die Verwaltungskosten stehen direkt unter den Abschluss- und Vertriebskosten.

Der Versicherer hier berechnet also auf Basis der 200 Euro pro Monat die du an Beitrag leistest 175Euro pro Jahr an weiteren Kosten. Diese werden für die Verwaltung und Betreuung des Vertrages verwendet. Auch hier bekommt der Vermittler einen Teil einmal im Jahr als Betreuungscourtage von der Versicherung ausgezahlt. Wir ziehen also wieder rund 14Euro von deinem monatlichen Beitrag ab, somit sind wir jetzt bei 140Euro.

Wichtig: Das wäre dann die Situation für die ersten 5 Jahre. Wenn sich dein Beitrag nicht verändert, fallen die Abschluss- und Vertriebskosten ab dem 6. Jahr weg.

Was du aber wissen solltest: Wenn du dein Beitrag erhöhst und/oder die Beitragsdynamik nutzt, fällt für den Mehrbeitrag wieder Abschluss- und Vertriebskosten an. So richtig kommt man also aus dem “Strudel” nicht mehr raus. Beispiel: Du erhöhst den monatlichen Beitrag von 200Euro auf 400Euro, dann fallen für die “neuen” 200Euro wieder Kosten an, siehe oben.

Zu guter Letzt haben wir noch weitere Kosten in Höhe von 2,40Euro pro 1000Euro Guthaben an. Das heißt, in den Anfangsjahren ist das vielleicht nicht viel. Wenn ich aber dann mal 200.000Euro Guthaben habe, sind es auch 480Euro pro Jahr.

Du siehst, es kommt ganz schön was zusammen was dafür sorgt, dass dein eigentlicher Sparbeitrag erstmal ordentlich schrumpft. Ich sags aber nochmal ganz deutlich: Abschluss- und Vertriebskosten hast du bei einer NETTOPOLICE nicht.

Schritt 3

Nun kann es sein, dass du die oben aufgeführten Kosten zwar gefunden hast, aber so richtig auch nichts damit anfangen kannst. Sind die jetzt zu hoch oder passt das? Das finden wir heraus, indem wir uns die Effektivkostenquote anschauen. Und die findest du ebenfalls in diesem Bereich, direkt unter den aufgeschlüsselten Kosten.

Das kann dann wie folgt aussehen. Hier ein paar Beispiele, verschiedener Versicherungen:

Du siehst hier also mehrere Beispiele mit sehr unterschiedlichen Effektivkostenquoten. Das sind alles Bruttopolicen. Im Grunde kann man sagen, dass Effektivkosten von über 1% nicht zu empfehlen sind. Alles in Richtung 2% oder sogar mehr, ist einfach Wahnsinn, hier musst du sofort handeln!

Im o.g. Beispiel haben wir sogar eine Bruttopolice mit gut 0,93% Effektivkostenquote. Das ist ganz ok für eine Bruttopolice aber es geht eben dann doch noch besser. Im Schnitt liegen wir mit einer Nettopolice knapp um die 0,5% Effektivkostenquote.

Du findest dein Angebot nicht mehr?

Du hast eine bestehende Rentenversicherung und findest das Angebot nicht mehr? Dann haben wir auch hier mehrere Möglichkeiten, herauszufinden ob der Vertrag rentabel ist oder nicht.

Schreibe als erstes die Versicherung an und lass dir mitteilen, wie hoch die Beiträge sind, die du seit Beginn der Versicherung eingezahlt hast. Wenn der Vertrag schon lange läuft und auch einige Male die Dynamik mitgenommen worden ist, wird es meist schwer das selber auszurechnen.

Fordere ebenfalls den aktuellen Stand der Versicherung an.

Wenn du beide Zahlen hast, kannst du ausrechnen, wie hoch deine Rendite seit Beginn der Versicherung war. Wundere dich bitte nicht, meist kommen hier nur sehr niedrige Renditen raus oder du bist sogar im Minus.

Was bedeutet das für deine Altersvorsorge?

Eine alte Einkäuferweisheit besagt: “Den meisten Gewinn macht man im Einkauf!” 🙂

Soll heißen, je niedriger deine Kosten, desto mehr bleibt für dich von der Rendite übrig. Und der Unterschied zwischen einer Bruttopolice und einer Nettopolice kann für dich mehrere hunderttausend Euro mehr Ablaufleistung ausmachen (je nach Laufzeit und monatlicher Summe, die du investierst).

Unterschätze dieses Thema also bitte nicht. Es geht hier um dein hart verdientes Geld und es gibt keinen Grund, dieses Geld in einen überteuerten Versicherungsvertrag zu verbrennen!

Buch dir einen Termin und wir checken deinen bestehenden Vertrag, berechnen deine Rentenlücke und stellen deine Altersvorsorge auf vernünftige Beine. Unsere Beratung ist kostenlos. Mehr Infos zu unserem Altersvorsorgeprozess findest du hier.

22.06.2025 | Altersvorsorge

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