Berufsunfähigkeitsversicherung und Förderung

Tag täglich werden mir Videos von Instagram oder TikTok zugeschickt in denen etwas von”staatlicher Förderung der Berufsunfähigkeitsversicherung” erzählt wird. Natürlich wird den Menschen in den Videos nicht verraten, was es damit auf sich hat und wie das funktioniert. Dazu muss man erst einen Beratungstermin buchen. Damit du dir deine Zeit sparen kannst, erzähle ich dir in diesem Beitrag, was es mit den ominösen Videos wirklich auf sich hat und ob das stimmt.

Ich löse es auch mal direkt auf! In Deutschland gibt es keine staatliche Förderung für deine Berufsunfähigkeitsversicherung, die hier unter die Arme greift.

Was meistens in diesen Videos gemeint ist, sind sogenannte Bonusprogramme mancher gesetzlicher Krankenversicherungen. Ich erkläre dir gerne, was du tun musst, um einen solchen Bonus zu erreichen. Außerdem geht es darum, warum die BU von einigen Krankenkassen gefördert wird, und, wie du den günstigsten Vertrag für dich finden kannst.

Was für Förderungen bieten die Krankenkassen an? Unter welchen Voraussetzungen erhalte ich einen Bonus?

Bis 2025 bot die IKK-Innovationskasse noch eine reine Förderung der Berufsunfähigkeitsversicherung in Höhe von 500€ pro Jahr an, wenn man das Bonusprogramm der IKK genutzt hat. Das gibt es aber nicht mehr!

Bereits seit dem 31. Januar 2025 wurde das o.g. Bonusprogramm der IKK-Innovationskasse eingestellt und durch ein neues Programm ersetzt. 

Das neue Bonusprogramm gestaltet sich nun wie folgt:

Altersabhängige Zuschusshöhe:

  • 16- bis 34-Jährige erhalten 400 Euro jährlich
  • Über 35-Jährige erhalten ca. 467 Euro jährlich

Der Vorteil beim neuen Bonusprogramm der IKK Innovationskasse ist der, dass es keine Bindung mehr an eine BU Versicherung gibt. Du kannst mit dem Geld machen, was du willst. Aber rund 33€ im Monat für deine BU sind schon richtig gut.

Wenn du wissen willst, welche Krankenkassen ganz allgemein, welche Bonusprogramme haben, kannst du dir hier einen sehr guten Überblick verschaffen. Aber lies erstmal weiter.

Es gibt Krankenkassen, die bieten Geldprämien an, wenn du deren Bonusprogramme nutzt. Das Geld bekommst du dann auf dein Konto ausgezahlt und kannst natürlich damit machen was du willst. Zum Beispiel für die BU Versicherung nutzen. Bei der novitas BKK sind das zum Beispiel bis zu 490€ im Jahr, bei der BKK HERKULES bis zu 400€ und bei der BKK VDN ebenfalls bis zu 400€.

Dann gibt es Krankenkassen mit Bonusprogrammen, die direkt private Versicherungen “finanzieren”. Die Finanzierung privater Zusatzleistungen ist eine Abwandlung der Geldprämie. Auch hier bekommst du beim Nachweis gewisser gesundheitsfördernder Maßnahmen Gutschriften, die du dann mit deinen privaten Versicherungen verrechnen kannst.

Wenn du aufgrund deiner hohen Zusatzbeiträge ohnehin überlegst, deine Krankenkasse zu wechseln, kann es sinnvoll sein, hier den Bonus für die Berufsunfähigkeitsversicherung direkt mit einzukalkulieren. So sparst du nicht nur bei den Beiträgen, sondern kannst auch die Kosten für deine Versicherung reduzieren.

Aufgrund von Beitragserhöhungen hast du oft ein Sonderkündigungsrecht, das die Kündigung bzw. den Wechsel zu einer anderen Krankenkasse vereinfacht. Hier gehts zum Krankenkassenvergleich.

Welchen Hintergrund hat es, dass Krankenkassen bei Berufsunfähigkeitsversicherungen unterstützen?

Hinter der Förderung einer Berufsunfähigkeitsversicherung steht kein bloßer Altruismus; die Gründe sind durchaus strategisch und ökonomisch. Die Krankenkasse profitiert davon, wenn Versicherte gesundheitliche Risiken auch anderweitig frühzeitig absichern.

Dazu kommst, dass die Nutzung der Bonusprogramme mit gesundheitsfördernden Maßnahmen einhergeht. Mitgliedschaft im Fitnessstudio, normaler BMI, Nichtraucher, Gesundheitskurse usw. werden durch die Bonusprogramme belohnt und somit auch gefördert. Man könnte also vielleicht sagen, dass Menschen, die diese Bonusprogramme für sich nutzen, auch gesünder und bewusster leben und somit ihren Krankenkassen weniger Kosten verursachen.

Warum gibt es keine staatliche Förderung?

Tatsächlich ist die Frage, warum es keine staatliche Förderung für Berufsunfähigkeitsversicherungen gibt, durchaus berechtigt, wenn so viele Finanzaccounts damit Werbung machen. Diese Werbung ist aber irreführend und die o.g. Bonusprogramme haben nichts mit dem Staat oder irgendeiner staatlichen Förderung zu tun. Der durchschnittliche Deutsche springt vielleicht eher drauf an, wenn man das Wort “staatliche Förderung” in den Mund nimmt! :-)

Seit im Zuge der Rentenreform 2001 die gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente durch eine Erwerbsminderungsrente ersetzt wurde, die ausschließlich dann zahlt, wenn in keinem anderen Beruf mehr als drei Stunden täglich gearbeitet werden kann, und zudem sehr niedrig ausfällt, ist eine private BU-Vorsorge absolut zwingend notwendig.

Die Förderung von Berufsunfähigkeitsversicherungen ist nicht Teil des gesetzlichen Sozialversicherungsauftrags und wäre außerdem ein massiver staatlicher Markteingriff. Zudem würde eine solche Förderung Unsummen an Geld kosten, da eigentlich jeder erwerbstätige Mensch eine Berufsunfähigkeitsversicherung benötigt.

Gibt es eine Förderung durch den Arbeitgeber?

Manche, insbesondere größere Arbeitgeber bieten tatsächlich den vereinfachten Zugang zur Berufsunfähigkeitsversicherung über Rahmenverträge an. Dies erfolgt meist im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge. Ob das Sinn macht, haben wir in diesem Beitrag erklärt.

Kombiniere die Förderung mit dem frühen Abschluss deiner BU

Gerade junge Menschen zahlen noch recht wenig beim Abschluss einer BU Versicherung. Je jünger du bist, desto niedriger ist dein Beitrag. Ebenso kommt hinzu, dass du meist in jungen Jahren noch nicht so viele Arztbesuche hinter dir hast und die Gesundheitsprüfung der BU Versicherer problemlos bestehst. Kümmerst du dich erst später um deinen Versicherungsschutz, kann es schwerer werden und du bist nicht mehr oder nur noch mit Ausschlüssen versicherbar.

Studenten und Studentinnen zahlen für eine gute BU zu Beginn meist nur zwischen 30-40€ im Monat. Nutzt man dann parallel die Bonusprogramme, hat man die BU schon gut finanziert.

Und später, wenn man ins Arbeitsleben eintritt, kann man die BU problemlos über die Nachversicherungsoptionen ohne erneute Gesundheitsprüfung anpassen. Alles zur Nachversicherungsoption kannst du hier nachlesen.

Hände weg von Startertarifen

So manch einer wirbt bei jungen Menschen auch mit dem Abschluss der BU über sogenannte Startertarife. Hier zahlst du in den ersten 3-5 Jahren einen niedrigeren Beitrag, der dann nach dieser Zeit erhöht wird, ohne das die BU Rente steigt.

Diese Startertarife sind unterm Strich aber deutlich teurer, als eine normale BU Versicherung. Du zahlst also während der gesamten Laufzeit höhere Beiträge an die Versicherung. Lass also die Hände davon!

Fazit

Wie wir gesehen haben, gibt es in Deutschland keine staatliche Förderung für Berufsunfähigkeitsversicherungen, da diese zur privaten Vorsorge zählen. Einzelne Krankenkassen bieten jedoch Zuschüsse im Rahmen von Bonusprogrammen an bei Nachweis von Vorsorgeuntersuchungen oder anderen gesundheitsfördernden Maßnahmen. Die Förderung dient der Prävention, Kundenbindung und langfristigen Kostensenkung.

Wer früh abschließt, Tarife vergleicht und die Vertragsbedingungen beachtet, kann bei der BU-Versicherung sparen, ohne auf wichtigen Schutz zu verzichten.

24.04.2025 | Berufsunfähigkeitsversicherung

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