Das Elterngeld ist für viele Eltern eine unverzichtbare finanzielle Unterstützung in den ersten Lebensmonaten ihres Kindes. Doch wie viel Geld am Ende wirklich auf eurem Konto landet, hängt nicht nur vom Einkommen ab – sondern auch davon, wie clever ihr plant.
Mit den richtigen Strategien könnt ihr euren Anspruch oft um mehrere Tausend Euro steigern.
In diesem Artikel erfahrt ihr 10 praktische Tipps, um das Elterngeld zu maximieren – und typische Fehler zu vermeiden.
Grundlagen: So funktioniert Elterngeld
Einkommensgrenzen
- Anspruch auf Basiselterngeld haben Eltern mit einem zu versteuernden Einkommen von höchstens 175000 € im Jahr vor der Geburt.
- Wer darüber liegt, hat keinen Anspruch.
- Für ElterngeldPlus gelten dieselben Grenzen.
Mindest- und Höchstbeträge
- Mindestbetrag: 300 € pro Monat (Basiselterngeld) / 150 € (ElterngeldPlus)
- Höchstbetrag: 1.800 € pro Monat (Basiselterngeld) / 900 € (ElterngeldPlus)
Geschwisterbonus
- +10 % des Elterngeldes, wenn im Haushalt:
- ein weiteres Kind unter 3 Jahren lebt oder
- zwei (oder mehr) Kinder unter 6 Jahren leben
- Mindestens +75 € (Basis) / +37,50 € (Plus)
Mehrlingszuschlag
- Pro weiterem Kind bei Mehrlingsgeburten: +300 € (Basis) / +150 € (Plus)
- Zusätzlich zum Geschwisterbonus, nicht stattdessen.
Geringverdienenden-Staffel
- Unter 1.240 € netto steigt der Prozentsatz von 65 % bis auf 100 %.
- Beispiel: Bei 1.000 € netto liegt der Prozentsatz bei ca. 80 %.
1. Die richtige Steuerklasse wählen – und zwar rechtzeitig
Warum das so wichtig ist:
Die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach eurem durchschnittlichen Nettoeinkommen in den letzten 12 Monaten vor der Geburt (bei Müttern: vor Beginn des Mutterschutzes). Eure Steuerklasse hat einen direkten Einfluss darauf, wie hoch dieses Nettoeinkommen ist. Eine „günstigere“ Steuerklasse für den Elternteil, der Elterngeld beantragt, kann also bedeuten: mehr Geld jeden Monat.
Praxisbeispiel:
Anna verdient 3.000 € brutto und hat Steuerklasse IV. Sie möchte Elterngeld beziehen.
Wenn sie rechtzeitig in Steuerklasse III wechselt, erhöht sich ihr Netto – und damit auch das Elterngeld.
So geht’s richtig:
- Wenn der besser verdienende Elternteil Elterngeld bezieht, lohnt sich oft der Wechsel in Steuerklasse III.
- Spätestens 7 Monate vor Beginn des Bemessungszeitraums wechseln, damit es vollständig berücksichtigt wird.
- Vorher durchrechnen: Der andere Elternteil zahlt in der Regel mehr Steuern. Manchmal lohnt es sich trotzdem.
2. Einkommenslücken im Bemessungszeitraum vermeiden
Warum das zählt:
Euer Elterngeld wird aus dem Durchschnittseinkommen berechnet. Jeder Monat mit weniger Einkommen drückt diesen Schnitt. Das betrifft zum Beispiel:
- Krankengeld
- Arbeitslosigkeit
- Teilzeit
- Unbezahlten Urlaub
Praxisbeispiel:
Max nimmt drei Monate vor der Geburt seiner Tochter unbezahlten Urlaub. Das senkt seinen Elterngeldanspruch deutlich – mehrere Hundert Euro pro Monat weniger.
So optimiert ihr das:
- Größere Einkommenslücken möglichst verschieben.
- Falls ihr eine Bonuszahlung erwartet, diese am besten vor den Bemessungszeitraum legen lassen.
- Bei geplanter Geburtseinleitung oder Kaiserschnitt prüfen, ob sich ein paar Tage Verschiebung positiv auswirken.
3. Basiselterngeld und ElterngeldPlus klug kombinieren
Der Unterschied:
- Basiselterngeld: Mehr Geld pro Monat, kürzere Bezugsdauer (max. 12 Monate bzw. 14 Monate mit Partnerbonus).
- ElterngeldPlus: Halber Monatsbetrag, dafür doppelt so lange Zahlungen.
Warum kombinieren?
Die meisten Familien brauchen in den ersten Monaten nach der Geburt mehr Geld, weil oft ein Partner komplett zu Hause bleibt. Später, wenn wieder Teilzeit gearbeitet wird, reicht ein kleinerer Betrag – Hauptsache, er läuft länger.
Kombinations-Tipp:
- Startet mit Basiselterngeld, wenn einer von euch komplett aus dem Beruf aussteigt.
- Wechselt zu ElterngeldPlus, sobald ihr wieder arbeitet (max. 32 Stunden pro Woche).
- So bekommt ihr am Anfang mehr, und später habt ihr länger etwas davon.
4. Partnerbonus nutzen – vier Monate geschenkt
Was ist das?
Wenn beide Eltern gleichzeitig zwischen 24 und 32 Stunden pro Woche arbeiten, gibt es für jeden 4 zusätzliche Monate ElterngeldPlus.
Beispiel:
Lisa und Tom arbeiten beide nach der Geburt in Teilzeit mit 30 Stunden pro Woche.
Ergebnis: Sie bekommen zusammen 8 Monate mehr ElterngeldPlus.
So klappt’s:
- Arbeitszeiten frühzeitig mit dem Arbeitgeber absprechen.
- Flexibles Arbeiten (z. B. Homeoffice) kann helfen, die Stunden genau einzuhalten.
- Achtung: Schon eine Stunde mehr oder weniger kann den Bonus kosten.
5. Mutterschutzzeiten clever einplanen
Wichtig zu wissen:
Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss gelten als Einkommen und fallen in den Elterngeld-Zeitraum der Mutter. Das verkürzt die Zahl der Monate, in denen sie Elterngeld bekommt.
Tipp:
- Den Elterngeldbezug so planen, dass nach dem Mutterschutz noch genug Monate übrig bleiben.
- In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, dass der andere Elternteil zuerst Elterngeld bezieht.
6. Teilzeit während des Elterngeldbezugs – ohne Geld zu verschenken
Regel:
Während des Elterngeldbezugs sind bis zu 32 Stunden Arbeit pro Woche erlaubt.
Aber: Das Teilzeit-Einkommen wird vom Elterngeld abgezogen.
Clever gelöst:
- Bei Teilzeit lohnt sich oft ElterngeldPlus – so bekommt ihr länger Geld, auch wenn der monatliche Betrag kleiner ist.
- Unbedingt vorher mit einem Elterngeldrechner verschiedene Szenarien durchspielen.
7. Die Steuerfalle Progressionsvorbehalt nicht unterschätzen
Was das bedeutet:
Elterngeld ist steuerfrei – aber es erhöht euren Steuersatz für andere Einkünfte. Das nennt sich Progressionsvorbehalt und führt oft zu einer Steuernachzahlung.
So verhindert ihr böse Überraschungen:
- Jeden Monat 20–25 % des Elterngeldes zurücklegen.
- Den Progressionsvorbehalt bei der Steuerplanung berücksichtigen.
8. Den Antrag rechtzeitig vorbereiten
Regel:
Elterngeld wird rückwirkend nur für die letzten drei Monate gezahlt. Wer zu spät beantragt, verschenkt bares Geld.
Tipp:
- Antrag am besten schon vor der Geburt ausfüllen und nur noch die Geburtsurkunde nachreichen.
- Benötigte Unterlagen früh bereitlegen: Gehaltsabrechnungen, Arbeitgeberbescheinigung, Steuer-ID, Kontoauszug.
- In vielen Bundesländern geht der Antrag inzwischen online – das spart Zeit.
9. Fristen & Änderungsmöglichkeiten kennen
Wichtig:
Einmal gewählte Monate lassen sich später nur in Ausnahmefällen ändern.
Tipp:
- Vorher genau durchplanen, wer wann wie lange zu Hause bleibt.
- Änderungen bei Einkommen oder Arbeitszeit sofort der Elterngeldstelle melden – sonst drohen Rückforderungen.
10. Sonderregelungen ausnutzen
Viele Familien wissen nicht, dass es beim Elterngeld noch weitere Vorteile gibt:
Beispiele:
- Mehrlinge: Für jedes weitere Kind gibt es 300 € Zuschlag pro Monat.
- Geringverdienende: Der Prozentsatz steigt auf bis zu 100 % des Nettoeinkommens.
- Selbstständige: Sie können wählen, ob das Kalenderjahr oder das Wirtschaftsjahr als Bemessungsgrundlage dient – das kann steuerlich ein Vorteil sein.
Fazit: Planung lohnt sich
Mit etwas Vorbereitung könnt ihr euren Elterngeldanspruch deutlich steigern. Die wichtigsten Stellschrauben sind:
- Steuerklasse frühzeitig optimieren
- Einkommenslücken vermeiden
- Basis- und ElterngeldPlus clever kombinieren
- Partnerbonus sichern
- Antrag rechtzeitig stellen
Je besser ihr plant, desto entspannter könnt ihr die erste Zeit mit eurem Baby genießen – und desto weniger müsst ihr euch um Geld sorgen.
💡 Extra-Tipp: Nutzt einen professionellen Elterngeldrechner oder lasst euch beraten, um das Modell zu finden, das perfekt zu eurer Familiensituation passt. Jede Familie ist anders – und genau das sollte sich auch in eurer Planung widerspiegeln.
